Interview mit Miriam und Eva unterwegs

Heute möchte ich euch eine ganz besonders reiselustige Mama und Bloggerin vorstellen. Eva, von Miriam und Eva unterwegs reist mit ihrer Tochter nicht nur durch die ganze Welt, nein sie ist gleich ganz ausgewandert und zwar nach Nepal. Ich reise zwar auch sehr gerne, habe selbst im Ausland gelebt und könnte mir auch vorstellen nochmal für einige Zeit ins Ausland zu gehen, aber mit Kind im Himalaya zu Leben ist schon sehr beeindruckend, einzigartig und vor allem mutig! Eva war so nett mir einige Fragen zu ihrem außergewöhnlichen Leben zu beantworten.

Julia von travelingkinder: Nepal gehört jetzt nicht gerade zu den klassischen Ländern, in die man normalerweise auswandert, was hat euch konkret nach Nepal verschlagen?

Eva: Meine Arbeit. Nach Miriams Geburt war es für mich als Alleinerziehende sehr schwer, in Deutschland eine Arbeitsstelle in dem Bereich zu finden, in dem ich gerne arbeiten wollte. Ich habe nur Absagen kassiert, und als  das Angebot kam, für eine Promotion nach Nepal zu gehen habe ich nicht lange nachgedacht und die Chance ergriffen. Ich habe vorher schon zwei Jahre in Ecuador gelebt, daher hatte ich das Gefühl, so halbwegs zu wissen, was auf mich zu kommt. Natürlich gab es dann trotzdem einen kleinen Kulturschock, aber mittlerweile fühlen wir uns sehr zu Hause.

Julia von travelingkinder: Wie sehen eure Zukunftspläne aus, möchtet ihr langfristig in Nepal bleiben, oder zieht es euch bald ins nächste Land oder gibt es einen Plan sogar irgendwann nach Deutschland zurückzukehren?

Eva: So richtig geplant haben wir da noch nichts. Also dauerhaft nach Deutschland zurückzugehen können wir uns gerade nicht so richtig vorstellen, allerdings reisen wir sehr viel. Diesen Sommer sind wir zum Beispiel in Europa unterwegs und nächstes Jahr geht es nochmal nach Südamerika. Ich arbeite mittlerweile als freie Journalistin und Beraterin für kleine NGOs, so dass wir allein schon wegen meiner Arbeit viel unterwegs sind. Unsere Basis, zu der wir immer wieder zurückkehren wird jedoch erst mal Nepal bleiben.

Julia von travelingkinder: Es heißt nicht umsonst ‘Reisen bildet’, deine Tochter spricht sicher mehrere Sprachen, lernt jede Menge andere Kulturen kennen und erlebt Dinge von denen andere nur träumen können, trotzdem wird es sicher Momente geben in denen sie keine Lust auf euer Leben hat, oder? Wie empfindet sie euer Nomadendasein?

Eva: m1Ich habe schon früher immer über Miriam gesagt, sie ist ein Reisebaby. Wir sind unterwegs seitdem sie ganz klein ist, und sie ist es nicht anders gewöhnt und macht es super mit. Sie hat zwei Orte, an denen sie sich total zu Hause fühlt – in unserer Wohnung in Nepal und bei meiner Mutter in Deutschland, so dass sie nicht ohne örtliche Wurzeln ist. Was ich besonders schön finde, ist dass sie schon in ihrem jungen Alter wertschätzen kann, was wir erleben. Sie weiß ganz genau, dass das was besonderes ist, dass sie schon im Himalaya wandern war, in Ecuador im Regenwald in einer Hängematte geschlafen hat und an der Ostsee Reitunterricht hatte und genießt es. Natürlich sagt sie mir manchmal, dass sie keine Lust mehr auf das blöde Reisen hat. Andererseits sagt sie mir genauso in unseren Ruhephasen, dass sie endlich wieder los will. Als ich das letzte Mal einen Flug nach Deutschland gebucht habe, ist sie richtig wütend geworden, weil ich keinen Zwischenstopp in Paris oder Tokio eingebaut habe. Und ich bemühe mich natürlich immer sehr, sie in unsere Planungen einzubeziehen und ihre Bedürfnisse an erste Stelle zu stellen, so dass ihr unsere Aktivitäten auch gefallen. Sehr lustig finde ich mittlerweile, mit ihr auf Pinterest rumzugucken. Bei jedem zweiten Bild sagt sie dann: Da will ich auch hin. Mama, können wir da hin? Wir reisen doch bald wieder, können wir da bitte hinfahren? Also ich denke, ich kann ohne zu lügen sagen, dass sie unser Leben genauso genießt wie ich.

Julia von travelingkinder: Selbst ich, die im Vergleich zu dir noch sehr wenig mit meiner Tochter verreist ist, musste mir schon einiges an Kritik anhören, vor allem als wir mit unserer 10 Monate alten Tochter ‘nur’ nach Malaysia geflogen sind. Wie hat dein Umfeld in Deutschland auf deinen Lebensstil reagiert?

Eva: Mein direktes Umfeld hat eigentlich gar nicht überrascht reagiert, ich glaube meine Familie hat sich eher gewundert, dass ich es drei Jahre in Deutschland ausgehalten habe… Schon als kleines Kind habe ich in die Freundschaftsbücher meiner Klassenkameraden bei Berufswunsch geschrieben: Auswandern. Es war also keine wirkliche Überraschung für diejenigen, die mich kennen. Eine ziemlich heftige Situation hatte ich mit unserer Kinderärztin, die sich weigerte Miriam die Tollwutimpfung zu geben und als Begründung noch hinterherschickte, was ich mir denn denken würde das Kind in so ein Land zu zerren. Ansonsten habe ich wenige negative Reaktionen mir persönlich gegenüber. Was die meisten Leute jedoch überhaupt nicht verstehen können, ist wie ich freiwillige auf „Luxus“ wie Waschmaschine usw. verzichten kann und wie wir so einfach leben können. Insgesamt finde ich das ja gar nicht so schlimm, wenn Leute mich ansprechen und meine Entscheidungen – die ja definitiv aus der Norm fallen – kritisieren oder in Frage stellen. Oft geschieht das ja aus Mangel an Informationen oder Unwissenheit. Wenn ich einen Fehler mache, möchte ich ja auch, dass mein Umfeld mir Bescheid gibt. Solange der Gegenüber dann auch wirklich bereit ist, mir zuzuhören und sich meine Gründe anzuhören, finde ich das gar nicht schlimm. Nervig ist es nur, wenn schon vorgefertigte Meinungen da sind, und es eigentlich gar nicht mehr darum geht, was meine echten Gründe sind.

Julia von travelingkinder: Fotos von Kindern auf social media Kanälen stehen immer wieder in der Kritik, du hast dich dazu entschlossen Bilder deiner Tochter zu veröffentlichen. Wie stehst du zu dem Thema und wie gehst du mit Kritikern um?

Eva: Darüber habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht. Fürm mich geht es in unserem Blog um uns beide, um unsere Beziehung und unsere Erlebnisse gemeinsam. Das ist unsere Geschichte, und ich hatte das Gefühl ich kann diese Geschichte nicht erzählen, ohne dass Miriam da eben auch bildlich dargestellt ist.Ich achte aber sehr darauf, welche Bilder ich veröffentliche. Bei jedem frage ich mich, ob das vielleicht ein Bild ist, mit dem sie später nicht einverstanden wäre und frage sie mittlerweile auch. Natürlich kann sie da mit sieben noch keine wirklich informierte Entscheidung treffen und ich habe das letzte Wort (im negativen Sinne, wenn sie nein zu einem Bild sagt würde ich es nicht posten, wenn sie ja sagt und ich nein, dann wird es auch nicht gepostet), aber ich möchte sie eben einbeziehen.

Julia von travelingkinder: Was würdest du Familien raten, die mit ihren Kindern nach Nepal reisen möchten oder sogar darüber nachdenken in den Himalaya auszuwandern?

Eva: m2Nepal ist ein tolles Reiseland mit Kindern, es gibt unglaublich viel zu erleben und zu entdecken, und es ist echt noch kostengünstig. Der Schwerpunkt ist allerdings auf Natur und Kultur, wer hier Luxushotels, Vollbetreuung und super Service sucht wird eher nicht fündig. Die Menschen sind unglaublich freundlich und nett zu Kindern, gleichzeitig aber nicht so übergriffig wie in vielen anderen asiatischen Ländern – Miriam wird also nicht ständig angefasst oder fotografiert. Man muss allerdings auch im Kopf behalten, dass Nepal ein armes Land ist und Kathmandu eine Großstadt mit vielen Problemen. Bettler auf der Straße, unglaublichen Verkehr und Luftverschmutzung sind alles Dinge, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Und es ist eben eine echt andere Kultur, da muss man bereit sein vieles einfach hinzunehmen. Wer darüber nachdenkt auszuwandern sollte meiner Meinung nach erst mal mindestens ein Jahr in dem entsprechenden Land gelebt haben – egal um welches Land es geht. Vorher hat man keinerlei Vorstellung davon, wie der Alltag in den verschiedenen Jahreszeiten aussieht und was auf einen zukommt. Ich bin mir nach fünf Jahren hier immer noch nicht komplett sicher, ob wir für immer hier bleiben könnten. Dazu kommt, dass es in Nepal ziemlich strikte Visavorgaben gibt, so dass auswandern gar nicht so einfach ist…

Julia von travelingkinder: Welchen Reisetraum möchtest du dir unbedingt noch erfüllen?

Eva: Mein größter Reisetraum wäre eine Kreuzfahrt in die Antarktis… Ich weiß, vom ökologischen Standpunkt aus riesen Mist, daher werde ich es wahrscheinlich auch nie machen, aber mich faszinieret einfach das ewige Eis unglaublich. Man darf ja noch träumen, oder?

Na klar, was wäre das Leben ohne Träume. Vielen lieben Dank für deine Zeit! Ich wünsche euch, dass ihr gesund bleibt, viele spannende Abenteuer auf der anderen Seite des Globus und dass du deinen Traum noch möglichst lange Leben kannst!

Du möchtest mehr von Evas und Miriams Leben in Nepal und ihren Reisen erfahren, dann komm am 22.6.2017 nach Köln in die Wohngemeinschaft, denn die liebe Carla von Backpack Stories wagt ihr erste Veranstaltung zum Thema “Reisen mit Kind”!

 

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