Reisen mit Kindern in Indien

Indien mag nicht das sicherste Reiseland für Kinder sein, aber mit Sicherheit eines der spannensten!

Chaotischer Verkehr, lange Reisezeiten, Naturkatastrophen, Hitze, hygienisch zweifelhafte Bedingungen, ernstzunehmende Krankheiten… Indien kann gefährlich sein! Nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Doch während wir die Risiken kalkulieren und sie als für uns zumutbar einstufen, sehen wir die Sache etwas ernster, wenn es um unsere Kinder geht! Haben wir uns einmal den Magen verstimmt, ist das kein allzu großes Problem. Zwar verlieren wir 1-2 Tage an Reisezeit, danach wird es uns schon wieder bessergehen. Doch bei unseren Kindern können wir uns nicht sicher sein: Wie nehmen ihre kleinen Körper die Viren und Bakterien auf, kann er gegen sie ankämpfen? Und erst der Verkehr! Die Inder gehören wohl zu den chaotischsten Verkehrsteilnehmern der Welt: Kurven werden geschnitten, Vorfahrten genommen, Stundenlang fährt der Busfahrer ohne Pause, auch über Nacht. Wieder ein Risiko, dass wir für uns in Kauf nehmen, oft genug geht es ja gut. Aber müssen wir auch unseren Kindern diesen Gefahren aussetzen? Besonders die langen Reisetrecken im großen Indien sind ermüdend für die Kleinen, die Gefahr dabei einmal bei Seite gelassen!

Ja, Indien ist vielleicht nicht die erste Wahl von Eltern, wenn es an die Planung des Familienurlaubes geht. Umso überraschter bin ich immer wieder, wenn ich junge Familien mit ihren Kindern in Indien sehe und wie glücklich diese Familien zu sein scheinen. Die Jüngsten von ihnen sprechen schon die ersten Brocken Englisch, vertraut schließen sie Freundschaften mit einheimischen Kindern und adoptieren ganz selbst verständlich die indische Kultur. Diese Kinder brauchen kein Smartphone oder Videospiele. Ihr Abenteuer ist die reale Welt, ist Indien, das vergleichsweise doch soviel mehr zu bieten hat: Natur-Paradiese, bunte Märkte, verrückte Rituale, fremde Geräusche und Gerüche, freundliche Menschen…Besonderes diese Menschen sind es, die Indien für Kinder ausmachen! Inder lieben Kinder und schnell schließen sich beide Parteien in ihre Herzen und gehen eine enge Verbindung ein!

Für jüngere Kinder bis zu 10 Jahren ist es sicher nicht empfehlenswert, großartig durch Indien zu reisen. Vielmehr sollte man sich einige wenige Orte aussuchen und dort Urlaub machen. Besonders gut dafür eignen sich Goas oder Keralas Strände oder die Himalaya Orte Manali und Daramshala im Norden Indiens. Von diesen „Basislagern“ aus, kann man dann Tagesausflüge zu den Tee- oder Gewürzplantagen unternehmen, indische Städte mit ihren Märkten besuchen, in den Backwaters Kanufahren oder leichte mehrtägige Wanderungen in den Bergen unternehmen.

Man sollte den nächstgelegenen Flughafen wählen und so für eine kurze Anreise von Deutschland sorgen (Flugzeiten mit Zwischenstopp betragen meistens um die 10-14 Stunden). So spart man sich lange und anstrengende Reisewege.

Für Kinder ab 10 Jahren und deren Eltern, kann das Reisen selbst zum Erlebnis werden: Eine Zugfahrt über Nacht ist spannend, gerade für Kinder und ansonsten Sucht man sich Gegenden bei denen die Orte nicht allzu weit auseinanderliegen. Auch hier sollte der südliche Bundestaat Kerala als erstes in Betracht gezogen werden.

Die Aktivitäten vor Ort sollten natürlich Kindgerecht gestaltet sein. Stundenlang in Museen oder Schlösser herumzuirren, macht keinem Kind Spaß, auch nicht in Deutschland. Da hat Indien viel mehr zu bieten: Kamel Safaris, Angelausflüge, Koch- und Tanzkurse, Bootstouren, Jeep Safaris in Nationalparks mit Elefanten und Tigern, Mal und Schmuck Workshops etc. Es gibt so viele Möglichkeiten die Tage in Indien mit Aktivitäten auszufüllen, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß machen.

Ich selbst hatte einen zwölfjährigen Jungen mit auf einer vierzehntägigen 20151223_094818Fahrradtour dabei. Er radelte ordentlich mit und wenn es ihm zu viel wurde, stieg er einfach ins Begleitfahrzeug. Die dreijährige Mathilda habe ich in meinem Yoga Ashram getroffen. Für mehrere Wochen sogar, hat sie dort mit ihren Eltern gemeinsam gelebt, Yoga mit gemacht und sich von der indischen Ashram Familie ins Herz schließen lassen.

Oft haben wir auch Familien, die eine mehrtägige Trekkingtour mit uns machen. Die Tagesetappen sind natürlich etwas kürzer und es geht während des Treks um soviel mehr als nur das Wandern selbst: die Kinder lernen ein eigenes Lagerfeuer zu machen, bauen mit den Guide die Zelte auf und helfen bei der Zubereitung der Speisen: ein wahres Pfadfinderleben!

Indien markt (1)Die einzige Schwierigkeit bei europäischen Kindern, die nach Indien reisen, sehe ich im Essen. Nicht unbedingt der Hygiene wegen. Man findet durchaus sehr gute und saubere Restaurants und während der Zeit in Indien, kann ja auf Fleisch und nicht schälbares Obst verzichtet werden. Womit Kinder ein viel größeres Problem haben, ist das indische Essen selbst: zu scharf, zu würzig, zu fremd! Viele Kinder tuen sich einfach sehr schwer mit den ungewohnten Saucen und bekommen oft keinen bissen herunter. Hier macht es Sinn, die touristischen Backpacker Orte anzusteuern, denn neben Curry und Co gibt es hier auch Burger, Sandwiches, Pizza und Pasta.

Wenn Indien Sie also selbst reizt und sie es sich und ihren Kindern zutrauen, seien Sie mutig und machen Sie eine Reise nach Indien!

Sarah Appelt lebt seit sechs Jahren in Indien und organisiert vor Ort Aktiv- und Erlebnisreisen. Besonders spezialisiert ist sie auf individual gestaltete Rund-, Trekking-, Fahrrad- und Yogareisen. (www.Chalo-reisen.de). Mehr Tipps zum Reisen in Indien findet ihr auf ihren Blog www.chalo-reisen.de/blog

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